
Die Stärke unseres Ansatzes ist es, individuelle Ist-Stand-Beschreibungen erstellen und daraus begründete Handlungsmöglichkeiten ableiten zu können. Dies hat sich bei der Einführung von Qualitäts- oder Managementsystemen aber auch bei Personalentwicklungsmaßnahmen inzwischen vielfach bewährt. Sowohl die Organisationskulturanalysen für Organisationen oder Organisationseinheiten als auch die Kompetenzprofile für Einzelpersonen werden entsprechend des hier beschriebenen Vorgehens erarbeitet. Meist sind diese Berichte der Kern umfangreicherer Systemeinführungs- oder Systemverbesserungsprojekte. Da in unserem Ansatz grundsätzlich berücksichtigt wird, wie Organisationen und Gestalten leben, sich entwickeln und auch wieder vergehen, wir letztlich also berücksichtigen, „wie das Leben lebt“, können wir unsere Projekte wesentlich tiefgreifender, schneller und im Endeffekt auch nachhaltiger für und mit unseren Kunden durchführen.
Theoretisches Fundament unserer Arbeit, insbesondere unserer Analysen und Berichte, ist die von Walter Dürr entwickelte Nichtklassische Theorie der Selbststeuerung, mit deren Hilfe eine Empirie (Aisenbrey 2007) möglich ist, die zwar zunächst höchst allgemein nach den Gründen für eine Selbststabilisierung von Personen und Organisationen in der Zeit fragt, dabei jedoch sehr individuelle Antworten produziert, die es der betreffenden Person oder Organisation ermöglichen, die eigenen Handlungsoptionen zu erweitern und sich selbst zu steuern.
Die Nichtklassische Theorie der Selbststeuerung nimmt dabei die erkenntnistheoretischen Konsequenzen ernst, die sich heute aus der Quantentheorie und insbesondere aus ihrer Deutung durch zunächst Niels Bohr, später Carl Friedrich von Weizsäcker und heute unter anderem durch Thomas Görnitz ergeben. Dabei verstehen wir die Quantentheorie nicht als Physik der kleinsten Teile sondern als die zurzeit umfassendste und allgemeinste Theorie menschlichen Wissens in der Zeit.
Relevant für unseren sozialwissenschaftlichen Kontext ist zunächst die Struktur der Zeit, in der die Vergangenheit prinzipiell faktisch und die Zukunft prinzipiell möglich ist. Anders formuliert: es gibt keine Fakten der Zukunft. Eine deterministische Verlängerung von Kausalketten in die Zukunft, so wie es die klassische Mechanik noch erlaubt, ist heute eine unzulässige Vereinfachung der Naturvorgänge, die nicht zuletzt auch der alltäglichen Erfahrung widerspricht. Dies hat Konsequenzen auf die Art und Weise, wie wir Prognosen formulieren.
Des Weiteren müssen wir den Befund der Quantentheorie ernst nehmen, dass der Beobachter einerseits stets Teil des Messvorgangs ist und andererseits durch seine Fragestellung bereits den Katalog möglicher Antworten festlegt. Das heißt, dass der nicht nur in der klassischen Physik sondern heute auch in den meisten Sozialwissenschaften immer noch unhinterfragt gültige Objektivitätsbegriff, der den Beobachter als subjektiven und damit störenden Einfluss stets ausschließt, überholt ist. Versteht man den Mess-, Beobachtungs- oder Interviewvorgang als individuellen Prozess zwischen einem Beobachter und dem Beobachteten, hat dies Auswirkungen auf die Gestaltung des Forschungsdesigns und der Fragestellungen sowie auf die Art der Auswertung.
In der empirischen Arbeit stellen wir die grundsätzliche Frage, warum es einer Person oder Organisation – allgemeiner, einer Gestalt – gelingt, sich in der Zeit zu stabilisieren. Die im Rahmen der Messung, in unserem Fall sind dies zumeist offene Leitfadeninterviews, wahrgenommenen Phänomene werden mithilfe der empirisch relevanten Begriffe der Nichtklassischen Theorie der Selbststeuerung geordnet, reduziert und schließlich erklärt. Diese Begriffe und ihre Zusammenhänge lassen sich in folgendem Modell anschaulich darstellen:

Praktiken sind gewohnheitsmäßige Handlungen beziehungsweise Gepflogenheiten. Dazu gehören auch alle beobachtbaren Formen der Kommunikation.
Funktionen sind der beobachtbare Sinn der Handlungsweisen, aber auch geäußerte Wünsche und Ziele, an denen sich Handeln orientiert.
Die Struktur einer Gestalt ist all das, was die beobachteten Praktiken und Funktionen ermöglicht.
Eine Kohärenz liegt dann vor, wenn die Praktiken, Funktionen und die Struktur einander im Wesentlichen entsprechen.
Mit Rahmenbedingungen bezeichnen wir die Lebensumwelt einer Gestalt.
Eine Korrespondenz liegt dann vor, wenn die Gepflogenheiten, die Sinnzuschreibungen und Ziele sowie die Struktur einer Gestalt den äußeren Bedingungen der Existenz, also den dortigen Gepflogenheiten, Anforderungen und strukturellen Gegebenheiten im Wesentlichen entsprechen.
Im Rahmen der Auswertung befragen wir die Phänomene nicht nur nach möglichen Praktiken, Funktionen und Strukturmerkmalen sondern bewerten die Phänomene mit ihren Beziehungen auch danach, ob sie zur Stabilisierung der Gestalt beitragen oder nicht (stabilisierende und beeinträchtigende Faktoren). Dabei gilt das Kriterium der wechselseitigen Entsprechung, und zwar sowohl im Innenverhältnis (Kohärenz) als auch im Außenverhältnis (Korrespondenz). Der Bezugsrahmen für die Bewertung sind allein die erhobenen Phänomene selbst, also das endliche Wissen über die Gestalt zu diesem Zeitpunkt.
Je nach dem, ob die stabilisierenden oder beeinträchtigenden Faktoren in Qualität und Zahl überwiegen, kann entweder eine stabile Phase (Ebene) oder eine instabile Phase (Krise) diagnostiziert werden. Bedingung für das Vorhandensein einer Ebene ist sowohl eine sichtbare Kohärenz als auch eine sichtbare Korrespondenz. Sowohl der Begriff der Ebene als auch der Begriff der Krise sind dabei zunächst wertfrei im Hinblick auf außertheoretische Kriterien, wie beispielsweise Ethik oder Moral. Eine Krise ist also per se nichts Schlechtes, so wie eine Ebene per se nichts Gutes ist. Zugleich ist ein Wandel in aller Regel nicht nur immer mit einer Krise verbunden, sondern eine Krise ist zumeist Voraussetzung dafür, dass sich überhaupt ein grundlegender Wandel vollziehen kann.
Nach der Analyse ist es möglich, mit Blick auf die Fakten der Vergangenheit, die sich aus diesen Fakten ergebenden Möglichkeiten der Zukunft zu beschreiben, also einerseits eine Prognose über den zukünftigen Status der Gestalt abzugeben und andererseits Handlungsoptionen aufzuzeigen. Diese können entweder darauf ausgerichtet sein, die Stabilisierung zu festigen oder auch eine Krise herbeizuführen, um sich danach auf einem anderen Niveau zu stabilisieren, je nachdem, was im Einzelnen beabsichtigt ist. Wichtig ist dabei in jedem Fall, dass die Gestaltungsempfehlungen ausgehend von den vorhandenen Potenzialen formuliert werden, so dass sich die jeweilige Person oder auch die Personen einer Organisation in diesen Empfehlungen mit ihren Gepflogenheiten und Sinnzuschreibungen wiederfinden können.
Reflektiert man das bis hierher skizzierte Verfahren, so ergibt sich, dass wir, theoretisch gesprochen, in der Auswertung die Dimensionen der Information, also Pragmatik (Praktiken), Semantik (Funktionen) und Syntax (Struktur), synergetisch interpretieren, das heißt mit Hilfe der Theorie der Selbstorganisation beziehungsweise der Lehre vom Zusammenwirken nach Hermann Haken. Die wahrnehmbare Gestalt mit ihren charakteristischen Ausprägungen entspricht dabei dem Ordnungsparameter (Kohärenz). Zugleich folgen wir C.F. von Weizsäcker in dem Gedanken: „Jedes stabile Ergebnis einer Fulguration muss eine ihm eigene Kraft der Selbststabilisierung haben, eine Korrespondenz seiner inneren Struktur zu den äußeren Bedingungen seiner Existenz.“ (Weizsäcker 1981) Diese theoretische (nicht inhaltliche!) Interpretation der Phänomene ist eine klassische, das heißt, sie beschäftigt sich mit den in den Fakten der Vergangenheit sichtbar werdenden Gesetzmäßigkeiten. Nichtklassisch beziehungsweise quantentheoretisch sind die Prognose über den künftigen Zustand der Gestalt wie auch die Formulierung der Gestaltungsempfehlungen zu deuten, bei denen es um die Beziehung der Fakten der Vergangenheit zu den Möglichkeiten der Zukunft geht. Betreibt man als bewusstes Wesen Reflexion auf dieser Grundlage – Analyse der Fakten der Vergangenheit sowie der sich daraus ergebenden Möglichkeiten in der Zukunft –, so ermöglicht dies eine gezielte Steuerung des eigenen Handelns und Wollens: also Selbststeuerung.